SUPERWILDVISION Alpen

2015 startete Irene Müller das Projekt „SUPERWILDVISION Alpen“.  Zunächst ging es in „SUPERWILDVISION Alpen“ um Murmeltiere. So erstellte Irene Müller ein Gemälde, vorwiegend in den Farbtönen Blau und Gelb. Farben, die Murmeltiere mit ihrer dichromatischen Farbwahrnehmung erkennen.

Das Team der Plauener Hütte installierte zwei Drucke des Originalgemäldes und Wildkameras an zwei Stellen in den Zillertaler Alpen auf etwa 2400 m ü.M. Inspiriert durch die Videos aus dem Jahr.

2015, entstand auch das Gemälde des Steinbocks.

2017 wurde das Gemälde des Steinbocks (ein Druck) und eine Wildkamera an einer entlegenen Stelle in den Zillertaler Alpen aufgestellt. Auf diese Weise wird das Projekt fortlaufend weitergeführt.
2018 und 2019 werden wieder zwei Gemälde an zwei Orten platziert und per Wildkamera beobachtet.

In der hochgelegenen Plauener Hütte ist über den Sommer 2018 eine Videoinstallation SUPERWILDVISION Alpen ausgestellt. Gezeigt werden Aufnahmen der vergangenen Jahre. Die Hütte ist ausschliesslich per Wanderweg zu erreichen.

SUPERWILDVISION Schwarzwald

Arbeiten am Bild

Eine Kamera und ein Computer – diese einfache Verbindung führte vor fast 25 Jahren zur Erfindung der Webcam. Aus unserem Alltag ist sie heute fast nicht mehr wegzudenken. Ihr dauerhafter Einsatz liefert Filme und Bilder in nahezu seriellem Ausgabeformat. An dieser Stelle bildet die Webcam die Grundlage zu Irene Müllers Werkkanon. Zufällig im Internet gefundene Webcams und deren Bildmaterial dienen ihr als Grundlage und Skizzen für die malerische Umsetzung auf Leinwand – so entstanden aus anonymen digitalen Einzelbildern analoge malerische Originale. Das digitale found footage wird abstrahiert, neu komponiert und uminterpretiert. Die Arbeit am Bild führt so zu einer kontextuellen Auseinandersetzung an der Schnittstelle von Fotografie und Malerei.

SUPERWILDVISION Schwarzwald

Ausgangspunkt des Projekts waren 700 Fotos, welche eine Wildkamera eines Jägers im Schwarzwald lieferte. Inspiriert von diesen Fotos entstand Irene Müllers Gemälde „Platzhirschschwein“.  An einer sogenannten Kirrung platzierte sie dieses Bild, welches auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über die visuelle Wahrnehmung der Wildschweine beruht. Mehrere Infrarotkameras lieferten von April bis Juni 2014 unzählige Fotos und Filmaufnahmen von dieser Stelle, aus der nächtlichen Parallelwelt des Schwarzwaldes. Dieses bildnerische found footage führte zu einer seriellen Umsetzung auf Leinwand und zu einer Videoarbeit.

Von diesen Videoaufzeichnungen inspiriert findet fortlaufend eine Umsetzung in Malerei statt.

SUPERWILDVISION Stuttgart-Süd

SUPERWILDVISION IN DER STADT

Das Projekt „SUPERWILDVISION Schwarzwald“ wurde mit „SUPERWILDVISION Stuttgart-Süd“ fortgesetzt.

Irene Müller installierte Wildkameras vor ihrem Atelier in Stuttgart-Süd. Beruhend auf dabei entstandenen Aufnahmen fertigte sie erste Skizzen und Gemälde zu dem Projekt an.

Diese Gemälde platzierte Irene Müller in Form von Drucken als Ausstellung für die Stuttgarter Wildtiere im Garten und auf dem Balkon und hielt wiederum deren Reaktionen auf Wildkameras von August bis November 2014 fest.

Von diesen Videoaufzeichnungen inspiriert, findet fortlaufend eine Umsetzung in Malerei statt.

Filmstills SUPERWILDVISION Stuttgart-Süd

Videotrailer SUPERWILDVISION Stuttgart-Süd

Vietnamprojekt

1995, ein zufälliger Fund von ca. tausend  6 x 6 Negativen auf einem Müllhaufen in Hoi-An (Mittelvietnam) während unserer halbjährigen Asienreise. Abgebildet sind Portraits der Menschen in Hoi-An und der weiteren Umgebung. Die Fotos wurden für Pässe in der Französischen Kolonialzeit in den 50er Jahren benötigt. Es war für jeden Einwohner Pflicht, einen Pass anfertigen zu lassen. Für die meisten war es die erste Konfrontation mit einem Fotoapparat.

1997 wurde das Vietnam-Projekt erstmals in der Zeitschrift „du“ Juli/August vorgestellt, damals noch als reines Fotoprojekt, welches ich gemeinsam mit Ursel Schiemann begann.

1999 kam es dann zu einer großen Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt, Berlin. Dort wurde das Projekt in Zusammenarbeit mit Alexander Ochs, Prüss & Ochs Galerie Berlin-Beijing, ausgestellt. Zu der Ausstellung wurde der Katalog „GAP VIET NAM“ gedruckt. (Hier Ausschnitte) Den Text zum Katalog schrieb Alexander Ochs.

GAP Vietnam, der Katalog zur Ausstellung im Haus der Kulturen in Berlin
Irene Müller und Ursel Schiemann in Zusammenarbeit mit dem Galeristen Alexander Ochs aus Berlin
Die Leute von NOI AN

Die Fotos ließen mich nicht los, so dass ich später begann diese Fotos in Malerei umzusetzen.  Das Projekt befindet sich in stetigem Fortschritt. Die Bilder erfahren so eine nochmalige Transformation und Aktualisierung.

Landschaften

Panoramen

Aktuelles

Vita

Irene Müller

Bildende Künstlerin

2015 Gründung des Labels Müller & Sohn (Irene Müller & Diethard Sohn)
Seit 2011 Gemeinschaftsatelier mit Diethard Sohn
1990 Künstlerisches Atelier in Stuttgart; parallel zur künstlerischen Arbeit bis 2014 als Art Direktorin für ein Designbüro sowie im Bereich Grafik in Verlagen tätig.
1987 Studium Visuelle Kommunikation, „Merz Akademie“ Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien Stuttgart, Abschluss: Diplom
1986 Studium Malerei und Visuelle Kommunikation, Hochschule Augsburg
1984 Studium Malerei bei Roland Schauls, Freie Kunstschule Stuttgart
1981 Studium Jura, Uni Freiburg
*1962 Ulm

Ausstellungen und Projekte

2019 VII. Ellwanger Kunstaustellung, Gruppenausstellung juriert.

„könnte aber doch“ Württembergischer Kunstverein Stuttgart, Gruppenausstellung.

Kunstausstellung „Personal Structures“ im Kontext der 58. Biennale Venedig unter dem Label Müller & Sohn  (13. Mai – 24. November 2019).

2018 Plauener Hütte in den Zillertaler Alpen in 2364 m Höhe, Einzelausstellung Videoinstallation mit dem Projekt SUPERWILDVISION Alpen, Sommer 2018

2017 Rathaus Winnenden /  SUPERWILDVISION /  Einzelausstellung, juriert
Württembergischer Kunstverein Stuttgart,  Präsenz, Kritik, Utopie / Müller & Sohn mit dem Projekt „Spurensuche“;  Gruppenausstellung, juriert
Donaueschinger Regionale 2017, Müller & Sohn mit dem Projekt „WEGE – Alpen“, Gruppenausstellung juriert, Katalog

2016 Kunstverein Ludwigsburg,  Müller & Sohn mit dem Projekt „WEGE – Alpen“, Einzelausstellung juriert
Galerie Meinlschmidt Fine Art,  Summer Art Collection, Balingen, Gruppenausstellung

2015 WARTESAAL, Kultur in Besigheim, Einzelausstellung
Künstlerverein Walkmühle in Kooperation mit dem Amt für Soziale Arbeit, Wiesbaden,  Gruppenausstellung juriert, Katalog
Kunstverein Ludwigsburg, Gruppenausstellung
Donaueschinger Regionale 2015, Gruppenausstellung, Katalog
Projekt SUPERWILDVISION in den Zillertaler Alpen in 2364 m Höhe, Realisierung ab Sommer 2015

2014 Projekt SUPERWILDVISION Würmtal und Stuttgart-Süd, Malerei und Videos
Einzelausstellung unweit des Projektorts in einer ehemaligen Mühle im Schwarzwald Katalog

2013 Württembergischer Kunstverein Stuttgart, „Das Antlitz“, Gruppenausstellung

seit 2012 Beginn des „Wildschweinprojekts“ im Würmtal. Entwickelte sich zu einem künstlerischen Experiment: SUPERWILDVISION

2010 Galerie Kunstbezirk Stuttgart, Titel Urbane Visionen mit Serie Flughafen Stuttgart, Gruppenausstellung juriert
Württembergischer Kunstverein Stuttgart, Gruppenausstellung
Galerie Birkhofer, Gottenheim, Gruppenausstellung juriert

2009 Galerie Kunststoff, Wismar, Doppelausstellung

2008 Kunstverein Ludwigsburg, Titel Evolution u.a. mit Serie Antarktis, Gruppenausstellung juriert, Katalog

2007 Mehrmaliger Aufenthalt in Kalifornien, USA. Durch eigene Überwachung von Promenaden entwickelt sich eine Gemäldeserie

2005 Aufenthalt in Ladakh, Indien. Entstehung der Gemälde-Porträtserie Mahabodhi Girls

2003 Mitarbeit am Projekt Church of Fear von und mit Christoph Schlingensief („Pfahlsitzwettbewerb“ 50. Biennale Venedig  / „Schreitender Leib“ von Köln nach Frankfurt /   „Abendmahl“ Schauspiel Frankfurt) und Theaterproduktion „Bambiland“ nach Elfriede Jelinek, Regie Christoph Schlingensief, Burgtheater Wien

seit 2002 Webcams international als unerschöpfliche Quelle der Inspiration Überwachungskameras von: Wetter/Landschaft, Tankstellen, Straßenkreuzungen, Forschungsstationen, Flughäfen, Kühlschränken, Strandpromenaden und viele andere

seit 1995 Mehrmaliger Aufenthalt in Vietnam (Hoi An). Entstehung des Vietnamprojekts:
ca. 1000 gefundene Porträtfotos aus den 50ern erfahren eine Transformation in Malerei

1997 Veröffentlichung des Vietnam-Projekts in Zeitschrift „du“ Juli/August 1997

1999 Haus der Kulturen der Welt, Berlin, Prüss & Ochs Galerie Berlin-Beijing, Ausstellung GAP VIET NAM, Katalog

Kooperationen

seit 2015 Project Müller & Sohn eine Kooperation von Irene Müller und Diethard Sohn mit gemeinsamen Kunstprojekten im Spannungsfeld von Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Videokunst.  

2003 Mitarbeit am Projekt Church of Fear von und mit Christoph Schlingensief („Pfahlsitzwettbewerb“ 50. Biennale Venedig  / „Schreitender Leib“ von Köln nach Frankfurt /   „Abendmahl“ Schauspiel Frankfurt) und Theaterproduktion „Bambiland“ nach Elfriede Jelinek, Regie Christoph Schlingensief, Burgtheater Wien

Öffentliche Ankäufe

Stadt Ludwigsburg Kuh Panorama 2008

Texte

Tierische Kunst – Kunst mit und über Tiere
SUPERWILDVISION

Ein intermediales Forschungsprojekt von Irene Müller.
Ob Steinbock, Wildschwein, Maus, Fuchs oder Reh, alle sind an dem Kunstprojekt von Irene Müller beteiligt. Aber nicht nur als Gegenstand der Kunst, sondern in diesem konkreten Fall als interessiertes Kunstpublikum. Es herrscht rege Betriebsamkeit vor allem in den nächtlichen Stunden im Schwarzwald. Ein Kommen und Gehen der immer gleichen Besucher die sich scheinbar nicht nur für das Futter an Ort und Stelle interessieren, sondern auch vor allem auch für die (tierische) Kunst. Ein Reh kommt daher und entdeckt das dort platzierte Kunstwerk. Es reckt den Kopf, geht näher und verschwindet dann wieder. In derselben Nacht kommt es erneut wieder und die Prozedur wiederholt sich. Es bleibt vor einem Gemälde auf dem ein Wildschwein zu sehen ist, stehen. Es hält inne und betrachtet interessiert das Objekt. Ähnlich verhält es sich mit zwei Wildschweinen. Sie kommen immer wieder an den Ort im Wald zurück an dem Irene Müller eben jenes Kunstwerk platziert hat. Sie schauen und schnuppern daran, betrachten eingehend, gehen Ihres Weges und Kommen dann zu späterer Stunde erneut wieder. Über Monate hinweg haben die Tiere des Waldes die Gelegenheit die Ein-Bild-Ausstellung besuchen und untersuchen (ganz im Gegensatz zur Situation in einem Museum) können.
Superwildvision nennt Irene Müller ihre Projektserie, die sie bislang im Schwarzwald, am Stadtrand von Stuttgart und auf über 2300m Höhe in Österreich durchgeführt hat. Dabei erwiesen sich vor allem die Steinböcke in den Zillertaler Alpen als besonders kunstinteressiert.
Superwildvision hat förmlich den Charakter eines Forschungsprojekts das sich an der Schnittstelle von Kunstwahrnehmung bei Tieren und intermedialer Gestaltung bewegt.
Die Tiere werden während der mehrmonatigen Dauer eines Projekts durch eine Infrarotkamera aufgezeichnet. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Wildkamera, die sich farblich in Ihre Umgebung integriert und mit einem Bewegungssensor ausgestattet ist.
Sobald sich ein Tier vor die Kamera bewegt beginnt die sie mit der Aufzeichnung.
So entsteht eine Dokumentation über das monatelange Treiben der Tiere. Dieses Footage wertet die Künstlerin aus und extrahiert daraus Filmstills, die Ihr als eine Art Vorskizze für eine anschließende Umsetzung auf Leinwand dient. Das gemalte Bild bekommt so auf mehrfache Art und Weise eine Bedeutung. Zum einen ist es „Anschauungsobjekt“ für das animalische Kunstpublikum und zum anderen entstehen daraus in einer Interaktion Bilder, die sich thematisch auf die Geschehnisse vor der Kamera beziehen. Ausschnitt- und momenthaft bannt Irene Müller ihre Motive auf die Leinwand. Ungewöhnliche Bildausschnitte und Situationen spiegeln das Medium Video wider, das den Arbeiten zu Grunde liegt. So durchläuft das Werk mehrere Stadien bis es am Ende schliesslich sein endgültiges Format und Aussehen erreicht hat.
Die Ausstellungen für den menschlichen Betrachter finden meist in unmittelbarer Nähe zum ursprünglichen Geschehen statt. Virtuos und bunt, leicht und spielerisch tauchen die Tiere auf den Bildern auf – ganz im Gegensatz zur Situation unter denen die originären Filmbilder (meist nachts in infrarotgrauen digitalen Bildern) entstanden sind. Die amerikanische Naturwisschenschaftshistorikerin Donna Haraway setzte die Beziehung zwischen Mensch und Tier in den Fokus ihres wissenschaftlichen Arbeitens und ging der Fragestellung nach, wie die beiden Gattungen sich gegenseitig beeinflussen. Aspekte dieser Forschung lassen sich bei genauerem Betrachten auch an dieser Stelle in den Arbeiten Müllers wiederfinden. Dokumentation, Beobachtung, Auswertung, Analyse und Interpretation sind entlehnte Vorgänge aus dem wissenschaftlichen Arbeitsumfeld. Der Zusammenhang zwischen Forschung und Wissenschaft wird aber nicht nur bei Superwildvision deutlich. Gemeinsam mit dem Künstler Diethard Sohn hat sie auf Basis wissenschaftlich Messdaten eine Herangehensweise entwickelt diese wissenschaftliche Vorgehensweise visuell zu übersetzen und in objekthafte Landschaftsmarkierungen zu transformieren. Dabei werden überdimensional große rote Stoffstreifen in Form von Markierungen in der Landschaft installiert, komponiert und fotografisch dokumentiert. Durch diesen künstlerischen Eingriff bekommt die Landschaft eine neue visuelle Struktur und verschmilzt auf Basis der Interpretation der Messdaten zu einem einzigartigen ästhetischen Land-Art-Gefüge. Durch diese räumliche Neuinterpretation schaffen Müller & Sohn Bilder von eindringlicher ästhetischer Relevanz.
(Gabriele Engelhardt, Fotokünstlerin)